Einen musikalischen Reformationsgottesdienst feierten der Kirchenkreis an der Ruhr und die Kirchengemeinde Speldorf in der gut gefüllten Lutherkirche. Unter der Leitung von Kreiskantor Sven Schneider sang und musizierte das Chorprojekt links der Ruhr und ein Instrumentalensemble die Bachkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“.
Basierend auf Luthers Choral hat Bach den Kampf des Guten gegen das Böse vertont, so erläuterte Kantor Sven Schneider in seiner Einführung zum musikalischen Teil des Gottesdienstes. Die Gemeinde hörte, wie das Orchester den Tanz mit dem Teufel musizierte, der Chor hielt unisono als Bollwerk gegen dagegen. Als Solostimmen waren zu hören: Kerstin Heimann (Sopran), Karin Wöpking (Alt), Christoph Gerthner (Tenor) und Ferdinand Krumbügel (Bass). Ökumenische Unterstützung bekamen die Musizierenden von Werner Schepp, der an der Orgel den Gottesdienst begleitete.
Mit ihren Impulsen vergegenwärtigten Superintendent Michael Manz und Pfarrer Matthias Göttert die Botschaft der Reformation:
Die Reformation ist nicht respektvoll als Reliquie zu bestaunen, sondern sie schenkt auch heute Vertrauen und Kraft für nötige Veränderung, das betonte Superintendent Michael Manz in seinem Wortbeitrag. „Kirche wird immer wieder neu geformt und ist auf Zeit gebaut.“ Auch Martin Luther habe mit seinen beharrungskräftigen Zeitgenossen so manchen Streit deswegen ausgefochten. Dabei sei auch der Reformator Luther anfechtbar. Wer Luther als Denkmal unantastbar auf einen Sockel heben, dem gerate das „Priestertum aller Gläubigen“ aus dem Blick.
Pfarrer Matthias Göttert stellte drei Thesen zur Reformation vor, die die Gottesdienstbesucher*innen auch an den Kirchentüren wiederfanden. Erstens: „Glaube ist eine Haltung, die empfängt und ihre Fülle nicht für sich behält.“ Ein „Marktwert“ in Konsum oder Beruf, helfe nicht, die Liebe Gottes zu erfassen. Zweitens: „Glaube ist Zuwendung und nicht Mattscheibe. (…) Bildschirme könne mich nicht liebevoll ansehen (…). Selberdenken macht schlauer und ehrlicher, gerade weil es unsere menschlichen Grenzen zeigt.“ Und schließlich drittens: „Glaube ist eher Zufluchtsort als „wehrhafte) Burg.“ Das bekannte Reformationslied von der „festen Burg“ sei viel zu oft nationalistisch missbraucht worden, hielt Pfarrer Matthias Göttert fest. „Gott schenkt uns Lebensfülle und Beziehungsfähigkeit, die sich nicht hinter Feindbildern und Hetze verbarrikadiert.“











