An(ge)dacht

Glaubst du das?

In einigen Wochen ist Ostern. Man bemerkt es bereits an Vorgärten mit Blütenknospen oder Schaufenstern dekoriert mit bunten Eiern und Osterhasen, den ersten Vorboten des Frühlings und der Osterzeit.

Dass die Hasen zu Ostern die Eier bringen, das wissen schon die Jüngsten. Viele wissen auch, dass an Ostern die Auferstehung Jesus Christi gefeiert wird. Aber das jemandem mal genauer zu erklären, wird schon schwieriger. In der Kirche wird versucht, Auferstehung so zu übersetzen:
An Ostern feiern wie den Sieg über den Tod, wir feiern, dass das Leben stärker ist als der Tod.
Aber was bedeutet es, dass das Leben siegt? Denn der Tod ist doch sehr präsent in unserem Leben. Der Abschied von einem geliebten Menschen bleibt auch für einen Christen, eine Christin schmerzhaft.
Es drängen sich Fragen auf: Was passiert mit denen, die sterben? Was verbindet uns über den Tod hinaus miteinander? Was heißt „ewiges Leben“?
Einige Gedanken, die helfen können:
– Die Toten sind geborgen in Gottes Schoß, sie leben aus Gottes Lebenskraft.
– Ihre und unsere Liebe wird übergehen in eine andere Form. Auch wenn sie nicht mehr bei uns sind, sind sie trotzdem noch da.
Auferstehung ist mehr als die Gegenwart der Toten in unseren Erinnerungen, denn Gott hat alle Toten im Gedächtnis; auch diejenigen, an die sich niemand mehr erinnert. Mit der Auferstehung verknüpft sich auch Gottes Verheißung seines Reiches und des ewigen Lebens. Deshalb setzen wir Menschen unsere Hoffnung darauf, uns alle am Ende der Zeit wiederzusehen. Wie das aussehen wird, das können wir getrost Gott überlassen.
Bei den Fragen nach der Auferstehung blicken wir oft nur auf Tod und Sterben, aber sicher gibt es in meinem Leben Momente, in denen schon heute Auferstehung geschieht. Immer da, wo Gottes Liebe und sein Wille zu Frieden und Gerechtigkeit mich und die Welt verändert, kann Auferstehung geschehen.
Auferstehung kann ein Moment sein, in dem ich mich, nach einer Phase der Trauer oder lähmender Verzweiflung, aufrichte und mich zum ersten Mal wieder zuversichtlich fühle. Das Gefühl, neue Kraft zu spüren nach dunkler Zeit, durch das Wort einer Freundin, durch eine Begegnung, die mich aus der Resignation reißt.
Von Auferstehung zu sprechen, bedeutet nicht über die Erfahrung von Leid und Tod hinwegzusehen oder die Wirklichkeit auszublenden. Wir sollten sogar hinschauen und etwas verändern.
Manchmal sind es nur kleine Momente, die uns zeigen, dass das Leben stärker ist: eine liebevolle Berührung, ein gutes Gespräch, die ersten zarten Knospen im Frühling…
Es gehört Mut dazu, von Gottes Wirklichkeit zu erzählen – von der Auferstehung, dem Sieg des Lebens. Ostern ist ein Anlass, sich dies zu trauen.
Ihre Pfarrerin Alexandra Cordes