Wärme im Winter

Runter von der Couch, rein ins Leben

Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einem Schulfreund. Er lebt als Single und erzählte davon, dass seit der Pandemie sich die Menschen in seinem Umfeld zurückgezogen haben: Sie gehen weniger aus, besuchen kaum Veranstaltungen, verabreden sich weniger, obwohl all das möglich wäre. Viele sind zu echten Couchpotatoes geworden und begegnen kaum anderen Menschen.

Das merken vor allem die Menschen, die allein leben und sich bewusst aufmachen müssen, um Gemeinschaft zu suchen. Auch älteren Menschen geht es so: Wenn die Kräfte nachlassen und der Alltag viel Kraft braucht, ist es gar nicht leicht, Energie in Gemeinschaft zu investieren. „Du musst dich aufraffen“ oder „Geh doch einfach mal auf jemanden zu“ – solche Sätze sind vielleicht lieb gemeint, aber keine Hilfe, wenn die inneren Ressourcen dafür fehlen. Doch Gemeinschaft ist lebenswichtig: „So ist’s ja besser zu zweien als allein;… Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Auch, wenn  zwei beieinanderliegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden?“ Diese Worte stammen  aus dem Buch Prediger aus dem Alten Testament. Ein weiser Mensch namens Kohelet hat sie aufgeschrieben. Und sie ergeben auch über die Jahrtausende hinweg Sinn.

Menschen brauchen einander. Zu zweit geht vieles besser als allein, denn man kann aufeinander achtgeben, füreinander da sein, einander schützen und wärmen. Als Nachbarn, Freunde, in der Verwandtschaft oder als Paar können sich Menschen zusammentun. Gerade heute, in dieser Zeit mit vielen neuen Herausforderungen, ist es wichtig, dass wir gut aufeinander achten und anderen Wärme, Zeit und Zuneigung schenken, wo immer wir etwas davon übrig haben – körperlich und sozial. Und dabei sollten wir vor allem auf die Menschen zugehen, die selbst kaum Ressourcen und Kraft für Gemeinschaft haben – zum Beispiel, weil sie mit dem Alltag überfordert oder krank sind. „Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei“, schreibt Kohelet weiter. Eins – zwei – drei. Wie ein Merksatz klingt das. Aber wer ist die drei? Gott ist hier unausgesprochen der Dritte im Bunde. Er ist derjenige, der die Gemeinschaft unter den Menschen entstehen lässt und stärkt wie das dritte Band in einer Kordel. Seine Geistkraft gibt Motivation, füreinander da zu sein und Mut, um unsere Wärme mit anderen zu teilen. Also: Runter von der Couch und rein ins Leben!

 

Tipps für einen warmen Winter:

Kommen Sie mit Ihren Nachbarn ins Gespräch: Was tun, wenn im Winter Strom oder Gas ausfallen sollten? Wer hat einen Ofen, an dem sich mehrere wärmen können? Nehmen Sie bedürftigen Menschen in Ihrer Umgebung durch Ihr Hilfsangebot die Angst. Beteiligen Sie sich an der Aktion „Warme Ohren für Mülheim“. Machen Sie mit bei unserer Einkaufswagen-Aktion. Laden Sie Menschen in unsere Gemeindezentren zu Gruppen und Kreisen ein. Dort gibt es Wärme für Körper und Seele.

Pfarrerin Anja Strehlau