Die ganze Welt wartet auf Befreiung

Gedanken zur Predigtreihe „Heimat:Erde“

Ich möchte noch einmal ein paar Gedanken aufgreifen, die wir in der Predigtreihe „Heimat:Erde“ im Sommer besprochen haben.

In der Predigtreihe ging es um die wunderbare Welt, die Gott geschaffen und uns als Mit-Bewohner*innen mit allen Lebewesen zum Wohnraum geschenkt hat. Gott hat uns, der Familie Mensch, die Welt anvertraut. Gott sagt: „Seht, sie ist sehr gut.“ Und doch fallen mir viel mehr Beispiele dafür ein, wie ausbeuterisch wir Menschen mit der Welt umgehen. Wir schlachten ihre Ressourcen aus. Die daraus resultierenden Katastrophen stehen mir tagtäglich vor Augen: die Erderwärmung, der Klimawandel, die Überfischung der Meere, das Mikroplastik in allen Ernährungskreisläufen und die Naturkatastrophen sind nur einige Beispiele.

Ist der Mensch doch eine Fehlkonstruktion, die das Leben ruiniert? „Ja“, denke ich, „so kann man es sehen.“ Aber in der Bibel steht der Vers: Und Gott sah alles an, was sie/er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut. (Gen 1,31)

Auch der Mensch war sehr gut. Seine Gott-Ebenbildlichkeit bedeutet ja nicht eine äußere, physische Ähnlichkeit mit Gott, wie es oft missverstanden wird, sondern: Ihr werdet sein wie Gott heißt, ihr werdet handeln wie Gott. Nämlich barmherzig und gerecht.

Wenn ich heute das Engagement von jungen Menschen sehe, die sich z.B. bei „Fridays for future“ oder bei einem freiwilligen ökologischen Jahr für die Belange der Welt einsetzen oder sich vegetarisch oder vegan ernähren, um gegen Gewalt gegen Tiere vorzugehen und den CO2-Ausstoß zu minimieren, dann denke ich, noch können wir es schaffen. Noch können wir Menschen der Verantwortung gerecht werden, die Gott uns gegeben hat, die Welt zu bebauen und zu bewahren. Darauf hofft auch Paulus, er schreibt: „Denn auch die Schöpfung wird befreit werden aus der Sklaverei der Vergänglichkeit. Sie wird ebenfalls zu der Freiheit kommen, die Gottes Kinder in der Herrlichkeit erwartet. Wir wissen ja: Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerz wie in Geburtswehen – bis heute.“ (Röm 8, 21-22)

Worunter die ganze Welt, ob Mensch, Lebewesen oder Natur, leidet, das sind Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit und Gewinnmaximierung. „Die ganze Schöpfung wartet doch sehnsüchtig darauf, dass Gott die Herrlichkeit seiner Kinder offenbart.“ (Röm 8, 19) Alle hoffen auf die Befreiung. Befreiung von dem, was gegen gelungenes Leben steht. Paulus vergleicht die Befreiung mit dem Geburtsprozess. Es ist fast nicht mehr auszuhalten. Aber es entsteht neues Leben. Es gibt Hoffnung, es gibt Zukunft. Aber was heißt: „Wenn Gott die Herrlichkeit seiner Kinder offenbart“? Dann wird Gerechtigkeit und Barmherzigkeit der ganzen Schöpfung widerfahren, dann werden Gerechtigkeit und Friede sich küssen, kein Leid wird mehr sein, kein Hass und kein Schmerz. Diese Verheißung gilt der ganzen Schöpfung. Natur und Mensch werden nicht mehr zum Gegenüber gemacht. Die Natur ist kein Objekt mehr in den Händen der Menschen. Auf diese Verheißung dürfen wir hoffen und vertrauen.

Pfarrerin Alexandra Cordes

 

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.

(Gen 1,31)